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Buchbestand
Skriptorium
Heutiger Bestand
Initiale P In Altenberg stammen von den über 60 erhaltenen Handschriften noch etwa 20 aus dem Jahrhundert der Klostergründung (1133). Sie deuten darauf hin, daß in Altenberg seit Beginn eine rege Schreibtätigkeit herrschte. Schon sehr früh hat die Abtei ein Skriptorium gehabt. Wo es lag, ist nicht überliefert. Die Bibliothek befand sich im Haus des Abtes.

Die mittelalterliche Schreibstube muß man sich als eine Werkstatt vorstellen, in der mehrere Mönche oder Konversen tätig waren, die ihr Handwerk im eigenen oder in einem fremden Kloster erlernt hatten. Das Schreiben und Ausmalen der Bücher war eine Arbeit wie andere handwerkliche Arbeiten in einem Kloster oder auf dem Felde auch. Die sie ausübten, waren genauso an Stundengebet und Gottesdienste gebunden wie alle anderen Mönche.

Beschreibstoff war Pergament. Es wurden Tierhäute von Kälbern, Schafen oder Ziegen gewonnen. Für 200 Blätter waren Häute von ca. 50 Tieren erforderlich, für zwei Doppelblätter die Haut von einem Tier. Die Pergamentblätter wurden auf einem Schreibpult als Unterlage beschrieben.

Doch wurde zuerst der Schriftspiegel für eine Werk festgelegt, dann ein Liniennetz vorgezeichnet oder eingeritzt und der Raum für Initialen freigehalten, ehe der Rubrikator, der Rotmaler und der Skriptor ihre Arbeit aufnahmen. Für die bildhafte Ausschmückung der Initialen sorgten Miniatoren und Illuminatoren, die eigentlichen Buchmaler.

Geschrieben wurde mit dem sorgfältig geschnittenen Kiel einer Vogelfeder, gemalt mit einem feinen Pinsel. Die Tinte, u.a. aus Ruß und Gummi, Galläpfeln, Weißdorn oder Schlehen mit Wein hergestellt, wurde in Rinderhörner abgefüllt und war beim Schreibvorgang am Pult zur Hand. Rote Tinte wurde aus Mennige gewonnen. Die Illuminatoren verwendeten für das Ausmalen reine Naturfarben aus Mineralien, die von Steinen abgeschabt und pulverisiert wurden, auch aus dem Saft der Purpurschnecke. Dem Farbpulver wurden Bindemittel beigegeben, damit die Farben auf dem Pergament hafteten. Auch Gold und Silber wurden verwandt. War die Schreib- und Maltätigkeit vollendet, wurden die Pergamentblätter zusammengebunden und durch Buchdeckel aus Holz mit Lederüberzug und vielfach durch metallene Beschläge geschützt.

Zu den Kostbarkeiten des Altenberger Skriptoriums aus dem 12. Jahrhundert gehören liturgische Handschriften, Bibeln, Auslegungen der Heiligen Schrift durch die Kirchenväter und Werke des hl. Bernhard von Clairvaux. Zu den ältesten Büchern zählt eine Pergamenthandschrift mit Werken des Kirchenschriftstellers Johannes Cassianus (um 360-um 430).

Waren die Altenberger Schreibermönche im 12. Jahrhundert hauptsächlich damit beschäftigt, die Töchterklöster mit Büchern zu versorgen, so erweiterten sie im folgenden Jahrhundert den Bücherbestand Altenbergs mit liturgischen Handschriften sowie mit theologischer Literatur der Kirchenväter und Heiligenviten. Zu diesen Arbeiten zählt wohl auch eine theologische Sammelhandschrift aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Sie enthält Texte mehrerer Kirchenschriftsteller sowie eine Predigt des hl. Eusebius über die Auferstehung des Herrn und ist ausgeschmückt u.a. mit einer Miniatur des Heiligen, einer zweiteiligen Szene der Siebenschläferlegende und dem Bild des Balam, der den Königssohn Josaphat bekehrt. Diese Handschrift gilt als eines der frühesten Beispiele einer Buchhandschrift mit figürlichen Darstellungen.

Aus dem 14. Jh. sind merkwürdigerweise nur wenige Handschriften erhalten. Das mag mit einer Überschwemmung des Klosters im Jahre 1324 zusammenhängen, der auch viele Bücher zum Opfer fielen und von der vielleicht auch das Skriptorium betroffen war. Ein bedeutsames Exemplar dieser Zeit ist der Dialogus miraculorum des Caesarius, Prior und Novizenmeister des Klosters Heisterbach (1180-1240). Er vermittelt in seinen Erzählungen ein Bild des gesamten Ordenslebens. Eine der Miniaturen in diesem Buch, dessen Seiten reich mit Rankenwerk, Fabelwesen und Engeln geschmückt sind, zeigt den Lehrer mit aufgeschlagenem Buch und dem Novizen im Gespräch. Ob die Handschrift in Altenberg entstanden ist, ist nicht völlig klar, aber auf jeden Fall trägt sie einen Besitzvermerk der Altenberger Abtei.

Aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts haben sich Handschriften erhalten, die von der Qualität der Schreib- und Malkunst des Altenberger Skriptoriums zeugen, so z. B. ein Missale, geschrieben in spätgotischen Minuskeln, mit gotischen Hufnagelnoten und Initialen und Schmuckrändern aus Blättern, Blüten, Früchten in leuchtenden Farben und unter Verwendung von Blattgold. Die Initiale H(odie scietis quia verniet dominus) zum Introitus am Vorabend des Weihnachtsfestes zeigt einen Zisterzienserabt (den hl. Bernhard?) vor dem Hintergrund einer Landschaft mit Abteigebäude. Auch ein Brevier aus dem letzten Drittel des 15. Jh. mit einer Zierseite mit der Verkündigungsszene in Deckfarben und Gold, mit Spruchbändern durchwirktem Rahmen aus mehrfarbigen Blatt- und Blütenranken sowie ein Rituale vom Anfang des 16. Jahrhunderts mit der Altenberger Filiationstafel bekunden auf eindrucksvolle Weise den hohen Stand der Altenberger Buchmalerei zu Ende des 15. Jh. unter der Protektion der Äbte Arnold von Monnikendam und Heinrich Rouffer von Brauweiler.

Eine letzte Blüte erlebte das Altenberger Skriptorium unter dem Abt Wilhelm Stoploch von Hittorp (1538-1566). Es entstanden in dieser relativ kurzen Zeitspanne fünf erhaltene Chorbücher mit einer Rückenhöhe bis zu 60 Zentimetern, mit insgesamt 3000 Pergamentseiten und reicher bildnerischer Ausstattung, mit 40 großen farbenprächtigen Bildinitialen, zahlreichen Ornamentinitialen, Rankenwerk aus Blüten, Blättern, Früchten, Fabelwesen, mit Drolerien und versteckte Initialen als Hinweise auf die an der Herstellung der Handschriften beteiligten Schreiber und Miniatoren. Sie treten nun aus der Anonymität des Skriptoriums heraus. Es wird deutlich, daß eine ganze Reihe von Mönchen oder Konversen an einem Werk gearbeitet hat.

(Abb. Seite aus einem Altenberger Graduale, 16. Jh.; Initiale P mit Miniatur "Christi Geburt"; Ms. D 32, f. 19v, Seite aus einem Altenberger Graduale, 16. Jh.)

Diese Chorbücher sind die letzten Zeugen aus dem Altenberger Skriptorium. Die sich schnell ausbreitende Buchdruckerkunst übernahm die weitere Buchherstellung.
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