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Grisaillefenster
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Kreuzgangscheiben
Marienkapelle
  Als Grisaillen (franz. gris = grau) werden in der Glasmalerei Fenster bezeichnet, die ganz oder zum größten Teil aus farblosem Glas bestehen. Als Material wird einfaches, ungefärbtes Hüttenglas ohne jeden Farbzusatz verwendet. Da es im Mittelalter technisch nicht möglich war, vollkommen ungetrübtes Glas herzustellen, erscheinen diese Scheiben in der Durchsicht nicht vollkommen weiß, sondern erhalten im einfalllenden Licht einen leicht farbigen, grünlich-weißen oder ins Rosa oder Braun spielenden Schimmer.

Unter der Bezeichnung "Grisaillen" werden zwei technisch unterschiedliche Gruppen zusammengefaßt: Blankverglasung (in Altenberg sind es wenige Fenster des Obergadens), bei der die Fenster lediglich durch das Liniennetz der Bleiruten optisch gegliedert werden, und Ornamentscheiben (in Altenberg ziehen diese sich vom Chorpolygon bis in das nördliche Seitenschiff), die partiell mit Schwarzlot bemalt sind, einer emailartigen, schwarzbraunen Farbe, die beim Brennvorgang fest mit der Oberfläche der Scheibe verschmilzt. Die Ornamentmotive werden durch die Schwarzlotzeichnung und die Bleiruten gemeinsam gebildet.

Die Wahl von schlichten Ornamentsfenstern aus farblosem Glas in Chor und Querhaus ist zurückzuführen auf die zisterziensischen Ordensregeln. Das Selbstverständnis der Zisterzienser als strenger Reformorden sollte auch in der schmucklosen Gestaltung der Kirchenräume zum Ausdruck kommen. 1134 verfügte das Generalkapitel, daß die Fenster der Zisterzienserkirchen "weiß, ohne Kreuze und Figuren" gehalten sein sollten. Diese Vorschrift wurde 1182 und noch einmal 1240 bekräftigt.

Die ältesten Grisaillefenster mit einfachen Liniengeflechten stammen aus französischen Zisterzienserklöstern des 12. Jh. Demgegenüber stehen die Altenberger Chorfenster auf einer weiter entwickelten Stufe. Sie zeigen ornamental gewundene oder durch ein "Spalier" aus geometrischem Stabwerk wachsende Pflanzenranken, denen botanisch bestimmbare Blätter mit Blüten und Fruchtständen entsprießen. Die Hauptkonturen werden durch die Bleistege, welche die Glasstücke miteinander verbinden, gebildet. Details wie Nebentriebe und Blattadern sind mit Schwarzlot aufgemalt und eingebrannt.

Die Laubmotive in den Chorkapellen sind besonders detailreich gestaltet. Dagegen sind in den Chorobergadenfenstern die Blätter summarischer gebildet, und im Querhaus und Seitenschiff schwinden die vielfältigen und lebensnahen Blattdarstellungen und werden durch mehr schematische Formen ersetzt.


Der achtlose Umgang mit dem Baudenkmal nach der Aufhebung des Klosters zog auch die Glasmalereien in Mitleidenschaft. Als 1821 die durch den Brand von 1815 geschädigte Südseite der Kirche einstürtzte, wurden auch die Glasmalerein der Langhauswand und der Chorseitenschiffe mit in den Schutt gerissen. Einige der heute erhaltenen Grisaillefenster sind aus den Trümmern zurückgewonnen worden. Doch vieles konnte nicht mehr gerettet werden, die zerstörten Fenster der Südwand wurden vermauert. Auch in den vom Einsturz nicht betroffenen Fenstern entstanden während der Verfallszeit klaffende Lücken. Der Anteil an mittelalterlichem Glas ist folglich in den Fenstern sehr unterschiedlich, keines blieb von neuzeitlichen Ergänzungen unberührt.

Seit dem Wiederaufbau der Kirche wurden die Fenster in verschiedenen Restaurierungsperioden ausgebessert und gepflegt. Eine der wichtigsten Maßnahmen zum Erhalt war die Schutzverglasung, die bereits in den 1960er Jahren an den Chorfenstern und jüngst vor einigen Obergadenfenstern angebracht wurde.


Grisaille-Fragmente

Einzigartig ist die Pflanzenwelt, die sich in den Altenberger Ornamentfenster entfaltet. Nur das Scheitelfenster der ersten südlichen Chorkapelle zeigt das stilisierte Akantusblatt, mit dem keine bestimmte Pflanze gemeint ist. In den anderen Fenstern entfaltete sich das Laubwerk der mitteleuropäischen Flora: Eiche, Ahorn, Wein, Hahnenfuß, Efeu und Beifuß in den Chorkapellen; Efeu, Akelei, Eiche, Wein und Zaunrübe in Quer- und Seitenschiff; Klee, Efeu, Hopfen, Storchenschnabel und Flieder im Chorobergaden. Die lebendige Naturschilderung in den Altenberger Fenstern durch die Künstler der Glasmalerei ist signifikant für den Übergang der Spätromanik zur Frühgotik im deutschsprachigen Raum.



1896 gab der Bürgermeister von Odenthal zu Protokoll, daß aus dem Altenberger Dom eine Kiste mit Gläsern verschwunden sei. Damals war gerade die Restaurierung der Ornamentfenster im Gange, die erste denkmalpflegerische Maßnahme, die der Altenberger Dom-Verein in die Wege geleitet und finanziert hatte.

Bei den entwendeten Stücken handelte es sich wohl um Gläser, die aus dem Bleinetz gelöst worden waren, weil sie gereinigt und restauriert werden sollten. 1907 hieß es, eine Anzahl von Glasmalereien befände sich in einem Museum in Düsseldorf. Erst in den 70er Jahren fand sich im Depot des Düsseldorfer Kunstmuseums ein großer Bestand an Scherben, die ganz offensichtlich aus den Altenberger Ornamentfenstern des 13. und 14. Jahrhunderts stammten. Die Scherben waren völlig unsortiert in Zigarrenkisten geschichtet, zum Teil noch in alten Zeitungen eingeschlagen. Viele der Stücke waren zersplittert, die zuunterst gelegenen zu Glasstaub zermahlen.

Der gesamte Bestand wurde an den Altenberger Dom-Verein abgegeben. Die Fragmente wurden in den 80er Jahren gesichtet - sie stammen aus Chor-, Querschiffs- und Seitenschiffsfenstern - und schließlich auch geordnet: Da die Altenberger Ornamentfenster ausnahmslos Muster mit einem fortlaufenden Rapport zeigen, konnten aus den Fragmenten nach Art eines Puzzles mehrere kleine Einzelscheiben - wenn auch mit deutlichen Lücken - zusammengesetzt werden.
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