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Die Kirche der ehemaligen Zisterzienserabtei Altenberg wird simultan von der Katholischen und der Evangelischen Kirchengemeinde Altenberg genutzt. In Deutschland entstanden viele Simultaneen in der Zeit nach der Reformation, bedingt durch die konfessionellen Umschichtungen des 16. Jahrhunderts. Der Altenberger Dom wird erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts simultan genutzt.

Auch nach der Auflösung des Klosters Altenberg 1803 wurden in der Kirche weiterhin Gottesdienste gefeiert, bis die Baufälligkeit dies unmöglich machte. 1833 lag die Kirche halb in Trümmern und wurde als Steinbruch genutzt. Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen setzte sich für den Wiederaufbau der Kirche ein, da hier u.a. auch die Grablegen seiner Vorfahren zu finden waren. Sein Vater Friedrich Wilhlem III., König von Preußen, durch Schenkung inzwischen Eigentümer der Ruine geworden, bewilligte mehrmals große Summen, um den Wiederaufbau zu finanzieren, allerdings unter der Bedingung, daß in der Kirche des ehemaligen Klosters nun auch die evangelischen Christen Gottesdienste feiern dürften, das Gotteshaus fortan simultan zu nutzen sei.

1847 war der Wiederaufbau beendet, doch sollte es noch weitere 10 Jahre dauern, bis die Kirche schließlich wieder genutzt wurde. Die Beteiligten stritten um den paritätischen Gebrauch des Domes sowie um die Aufteilung der Kirche nach Raum oder Zeit. 1856 schließlich entschied der preußische König, daß der Altenberger Dom unter den beiden Gemeinden der Zeit nach zu teilen sei: sowohl an Sonn- als auch an Werktagen sollte die Kirche von 8 bis 10 Uhr morgens sowie von 1 bis 3 Uhr des nachmittags den Evangelischen zur Verfügung stehen, die restlichen Stunden des Tages standen der katholischen Gemeinde zur Verfügung. So ist es noch heute, mit einer kleinen zeitlichen Verschiebung: die evangelische Zeit an den Nachmittagen liegt zwischen 13.30 und 15.30 Uhr.

Mit der Aufnahme des Gottesdienstes 1857 waren die Unstimmigkeiten jedoch nicht beendet. Die Nutzung der Kirche blieb weiterhin strittig. Die Gerichte wurden bemüht, Gutachten angefertigt. Doch blieb die Regelung, wie sie einmal getroffen war. Heute ist die zeitliche Regelung zur Routine geworden, Ökumene in Altenberg alltäglich: Die Kirche gehört dem Land Nordrhein-Westfalen als dem Rechtsnachfolger des preußischen Staates, beide Kirchengemeinden nutzen sie als gleichberechtigte Partner und üben gemeinsam das "Hausrecht" aus.

Nach den mit Unterbrechungen fast ein Jahrhundert währenden Streitigkeiten näherten sich beide Gemeinden einander an: 1968 wurde der erste gemeinsame Gottesdienst gefeiert, vier Jahre später konstituierte sich der Christenrat, der sich aus Mitgliedern des katholischen Pfarrgemeinderates und des evangelischen Presbyteriums zusammensetzte und gemeinsame Belange erörtern sollte. Daraus ging der Ökumenerat hervor. Daß Altenberg eine Stätte der Zusammenarbeit beider Konfessionen ist, zeigte eindrucksvoll der erste ökumenische Kirchentag 1994. Von 1984 bis Ende 2005 gab es einen gemeinsamen Pfarrbrief, den "DOMblick", und weitere Aktionen, so z.B. die Beteiligung der evangelischen Gemeinde an der katholischen Fronleichnamsprozession.

Weitere Informationen über die simultane Nutzung des Altenberger Dome in:

- A. Zurstraßen, Von der Säkularisation zur Simultanen Nutzung - das Schicksal des Altenberger Domes nach 1803, in: Klosterkultur und Säkularisation im Rheinland, hg. v. G. Mölich, J. Oepen, W. Rosen (eine Publikation des LVR), Essen 2003, S. 163ff.
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