Instandsetzung

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Grundinstandsetzungen im 19. und 20. Jahrhundert

Der Mitte des 12. Jahrhunderts geweihte romanische Bau wurde bereits nach weniger als 100 Jahren durch das gotische Kirchengebäude ersetzt. (mehr zu Bauphasen)

Nach Auflösung des Klosters 1803 und dem Verkauf der Liegenschaften verschlechterten mangelnde Bauerhaltung und Plünderungen den Zustand der Kirche. Zur Vorbereitung der Sanierung beauftragte 1821 die Regierung in Köln auf Anweisung der königlichen Oberbaudeputation in Berlin Bernhard Hundeshagen (1784–1858), Aufmaße anzufertigen. Kurz nach den Aufmessungen stürzten das Südquerhaus und die südlichen Chorseitenschiffe ein, eine Spätfolge der 1815 durch die Nutzung der Klostergebäude als chemische Fabrik verursachten Explosion. 1830 folgte das Vierungsgewölbe, 1833 wurde das Dach der Kirche durch einen Sturm abgedeckt. Nach Übertragung der Ruinen an den preußischen Staat erfolgte in den Jahren 1835 bis 1847 der Wiederaufbau der Kirche durch Matthias Biercher. Dabei wurde der Kapellenkranz nach dem Vorbild des Kölner Domes (der seit 1823 weitergebaut wurde) mit einzelnen Walmdächern anstelle von Pultdächern über Kapellenkranz und Chorumgang versehen.

Die in den Jahren 1894 bis 1911 durchgeführten Sanierungsmaßnahmen bewirkten noch einmal Veränderungen am Bauwerk. Die Hochschiffdächer erhielten ihre ursprünglich steilere Neigung, sodass die Giebel erhöht aufgemauert werden mussten; der Vierung wurde wieder ein Dachreiter aufgesetzt und das aus dreieckigen Aufmauerungen bestehende Strebesystem am Langhaus wurde zu aufragenden Pfeilern und Bögen umgebaut, die wesentlich stärker den Außenbau rhythmisierend in Erscheinung treten.

Weitere Restaurierungsmaßnahmen fanden in den 1930er Jahren statt; Arbeiten an Chor, Südquerhaus und Westseite 1963 bis 1967, als die statische Sicherung der Kirche sowie Natursteinarbeiten durchgeführt wurden; in den 1970er Jahren erfolgte die partielle Schutzverglasung der Glasmalereien.

Von 1994 bis 2005 fand eine umfangreiche Grundinstandsetzung der Kirche statt.

Übersicht über die Bauphasen des Altenberger Doms

Die Grundinstandsetzung von 1995 bis 2005

Anlass, Ziel und vorbereitende Maßnahmen der Grundinstandsetzung

160 Jahre nach dem Wiederaufbau der Kirchenruine erfolgte die zunächst auf sieben Jahre projektierte Grundinstandsetzung der ehemaligen Klosterkirche. 1987 zwangen die Gefahr von Steinschlag, die Gefährdung der Standsicherheit und die Durchfeuchtung der Mauerkronen zu Überlegungen für eine umfassende Sicherung des historischen Bestandes. In einer sechsjährigen Planungsphase wurden die zur Bauausführung und Restaurierung notwendigen Voraussetzungen geschaffen:

  • eine erstmalige steingenaue Dokumentation des Bauwerkes in Grundrissen und Hauptansichten mittels photogrammetrischer Aufnahmen
  • eine statische Untersuchung des Gesamtgefüges (das Gefüge des gotischen Systems aus Strebepfeilern und -bögen, die den Gewölbeschub aufnehmen und der weitgehend durch Maßwerkgliederungen aufgelösten Wandfelder reagiert schon auf geringe Veränderungen sehr instabil)
  • Projektierung einer veränderten Dachentwässerung aufgrund der festgestellten, durch das vorhandene System verursachten Bauschäden (Durchfeuchtung der Mauerkronen und Strebepfeiler)
  • mehrmonatige Einrüstung am Südquerhaus zur Kartierung der Gesteinsarten und -schäden
  • Auswertung von Archivmaterial (Bauakten, Fotografien, Pläne)

Statik

Der Teileinsturz der Kirche, der Verlust des Kirchendaches und die bis 1830 unkontrollierbare Eigendynamik des Bauwerkes hatten im 19. Jahrhundert die Statik des Gebäudes sehr beeinträchtigt. Die statische Sicherung der Choranlage versucht, ohne bauliche Veränderung den heutigen Zustand zu stabilisieren. Ähnlich wie in den 1960er Jahren in den Gewölben des Langhausmittelschiffs wurden im Chor und Querhaus oberhalb der Kapitelzone Zuganker aus Edelstahl zwischen die Hochschiffwände gespannt. Der Montage des Ankers vorausgegangen ist eine erschütterungsfreie, langsam vorgetriebene Kernbohrung durch Vorlage, Mauerstärke, Gewölbeschulter und Rippenprofil sowie – um den Anker einschieben zu können – durch Strebepfeilerverdachung und Strebebogenrücken.

Die Kraftübertragung von den außenliegenden Wandvorlagen auf die Zugstangen erfolgt über Ankerplatten, die in die neugestemmten Aussparungen unterhalb der Konsolen der Strebebogenanfänger montiert sind. Die unmittelbare Verbindung stellen jeweils gekonterte Schraubmuttern her. Auf diese Weise werden die nach außen wirkenden Horizontalkräfte in eine raumseitige Vertikalebene geleitet.

Durch diese Entlastung aller Obergadenwände ist ein wesentliches konstruktives Schadenspotential beseitigt.

Maßnahmenprogramm und Schwerpunkte

Die ab 1989 erfolgte umfassende Schadensanalyse führte zur Aufstellung eines Generalinstandsetzungsprogramms:

Statische Sicherungsmaßnahmen:

  • Einbringung von Zugankern
  • Sicherung abgelöster Dienste
  • Abtragung und Wiederaufmauerung von Strebepfeilern, Strebebögen, Mauerkronen unter partiellem Austausch des Steinmaterials

Natursteinarbeiten:

  • Austausch von Quadern, Ergänzung durch Vierungen im gleichen Steinmaterial oder Schließung von Rissen
  • Austausch von statisch nicht mehr tragfähigem, stark verwittertem Material
  • Reinigung der Oberflächen
  • Erneuerung des Fugennetzes
  • Putzsanierung bzw. partielle Erneuerung
  • Instandsetzung des Dachstuhls und Reparatur der Dachabdeckung
  • Dachentwässerung: Das bisherige schadensrelevante offene Naturstein-Entwässerungssystem wird durch eine teilgeschlossene Wasser(ab)führung über Kupferrinnen und -Fallrohre ersetzt. Die stillgelegten, nach der Sanierung funktionslosen Wasserspeicher bleiben erhalten.
  • Glasmalerei: Reinigung, Restaurierung und Schutzverglasung des großen Westfensters und der Obergadenfenster im Chor
  • Installation einer neuen Heizung: Für die 1967 eingebaute, nicht mehr funktionierende Fußbodenheizung wurde über 17 Bodenstationen verteilt eine dezentrale Warmluftheizung mit Außenluftzufuhr installiert.

Voraussetzung zur Durchführung der bestandssichernden Maßnahmen war die aufwendige Gerüststellung wie z.B. freistehende Spezialeinrüstungen im Chorbereich, da aus statischen Gründen das Mauerwerk nicht belastet werden durfte. Zum Schutz der Orgel und zur Nutzung des Kirchenraumes während der Instandsetzungszeit wurden raumteilende Staubwände eingezogen.

Natursteinarbeiten

Für die wesentlichen Bauelemente großer Kirchen- und Kathedralbauten bediente man sich aus dem Gestein der Umgebung. Die reiche Formensprache der Gotik ließ sich mit Natursteinen in hohem Maße umsetzen.

Witterungsbedingte Einflüsse sowie Konstruktions- und Detailmängel führten im Laufe der Jahrhunderte zu erheblichen Bauschäden. Ohne Instandsetzungsmaßnahmen wäre die Bausubstanz dem Verfall preisgegeben gewesen. Um weitere schwerwiegende Schäden abzuwehren und den unschätzbaren Wert der Architektur für die nachfolgenden Generationen zu erhalten, waren umfangreiche Natursteinrestaurierungen als substanzerhaltende Schwerpunktmaßnahmen erforderlich. Dies galt zum Beispiel für Abbau, Sicherung und Wiederaufbau statisch beanspruchter Bauteile (z.B. Strebesysteme), Steinaustausch als Ersatz des geschädigten Materials, Reinigung und Neuverfugung des gesamten Mauerwerkes und Instandsetzung der Fenstermaßwerke.

Entwässerung

Um Niederschlagswasser schnell und direkt aus dem Gebäude ableiten zu können, haben die gotischen Baumeister ein sinnvolles Entwässerungssystem erdacht, das für die damalige Zeit als eine optimale Lösung anzusehen ist: die offene Wasserableitung. Ein Abflusssystem, aus Natursteinen gearbeitet, leitet das Wasser von Haupt- und Nebendächern durch offene Fallschächte zu den äußeren Wasserspeiern. Leider waren Steinzerstörungen und witterungsbedingter Abbau des Fugenmörtels die Folge und führten zu substanzgefährdenden Bauschäden durch eindringendes Niederschlagswasser.

Nun galt es, ein Entwässerungssystem zu entwickeln, ohne das charakteristische gotische Grundkonzept zu verändern. Hierdurch wird das Regenwasser nicht mehr wie bisher offen durch problematische Natursteinrinnen abgeleitet, sondern in einem geschlossenen Kastenrinnen- und Fallrohr-System geführt.

Innenraum

Die gotische Architektur der Zisterzienser vermittelt in eindrucksvoller Weise ein in sich ruhendes Raumerlebnis aus Schlichtheit und Transparenz.

Dem Charakter des Ordens entsprechend wurden raumschmückende Elemente und Ausstattungen in äußerst sparsamer Form ausgeführt. Auf figürliche Darstellungen verzichtete man zunächst. Ornamentale und florale Motive bestimmen die wenigen Schmuckelemente der Raumarchitektur. Kapitelle mit Blattwerkmotiven, Ranken und vielartiges Blattwerk beherrschen die Grisailllefenster der Chorzone und zeugen von einem hervorragenden handwerklichen Können der mönchischen Baumeister: Wenngleich auch im Laufe der 120-jährigen Bauzeit die Farbigkeit der Fenster bis zum krönenden Abschluss des prachtvollen Westfensters zunimmt, vermittelt der Innenraum in seiner Gesamtheit die wohltuende Schlichtheit zisterziensischen Geistes.

Die Fensterrestaurierung und Überarbeitung der Raumfassung bildeten weitere Schwerpunkte der Grundinstandsetzungsmaßnahmen. Es wurden substanzielle Schäden an Putz- und Architekturflächen beseitigt sowie die monochromen und farbigen Fassungsflächen wiederhergestellt.

Fensterrestaurierung

Die Symbiose von Stein und Licht erfährt in der gotischen Architektur ihre höchste Perfektion. Die Öffnung des Raumes, die vertikale Hinführung durch Architektur und Fenster zum „Himmlischen Jerusalem“, war theologisches Programm der Erbauer. In überwältigender Weise ist in Altenberg die Öffnung zum Licht durch die großartigen Maßwerkfenster gelungen. Über vierzig Prozent der Außenflächen sind Fensterflächen!

Ein überdurchschnittlich hoher Anteil hiervon besteht noch aus original mittelalterlicher Substanz. Die zisterziensisch zurückhaltende Schmuck- und Ornamenttechnik, zunächst aus Naturmotiven bestehende Glasmalereien, in edlem Grisailleton gehalten – steigerte sich im Laufe der über 120-jährigen Bauzeit mit dem Mut zu immer intensiverer Farbigkeit bis zur überwältigenden Gestaltung des berühmten Westfensters. Mit einer Größe von ca. 8 x 18 Metern gilt es als eines der bedeutendsten Beispiele gotischer Glasbaukunst nördlich der Alpen.

In einem aufwendigen Restaurierungsverfahren wurden sämtliche Obergadenfenster und die Fenster der Westfassade mit folgenden Schwerpunktmaßnahmen bearbeitet:

  • Beseitigung von Schäden durch Glaskorrosion und Pilzbefall
  • Überarbeitung der Glasmalereien
  • Schließung von Glassprüngen
  • ganzflächiger Vorsatz einer Schutzverglasung

Heizung

Die zeitgemäße Nutzung als Simultankirche für katholische und evangelische Kirchenbesucher setzt andere Anforderungen an ein Gotteshaus als sie für die asketische Lebensweise der Erbauer und deren nachfolgenden Generationen galten. Eine angenehme Temperierung ist in der heutigen Zeit unabdingbare Voraussetzung für eine kontinuierliche Nutzung des Kirchenraumes, auch für konzertante Veranstaltungen.

Die Fußbodenheizung aus dem Jahre 1965 war nur kurzzeitig voll funktionsfähig. Bei der Neuplanung galt es, das sehr diffizile Raumgefüge aus unterschiedlichen Gebäudehöhen, Außenwänden und dem gotisch-typischen hohen Fensteranteil substanzschonend zu beheizen und darüber hinaus dem Behaglichkeitsanspruch der KirchenbesucherInnen gerecht zu werden. Langjährige Voruntersuchungen und Alternativplanungen gingen der Entscheidung zum Bau einer dezentral betriebenen Warmluftheizung mit insgesamt 17 Wärmestationen voraus.

Um den Dom während der Bauarbeiten für Gottesdienste und Konzerte nutzen zu können, wurde eine Spezialwinterheizung installiert, die durch Warmluftgebläse eine Minimaltemperierung sicherstellte.

Außenbereich und Dominnenraum sind als Bodendenkmal ausgewiesen. Sämtliche Bodeneingriffe wurden daher archäologisch begleitet. Immer wieder gab es spannende Entdeckungen durch Freilegungen von Fundamentresten früherer Bauepochen. Skelettfunde romanischer Bestattungsfelder wurden sorgfältig geborgen. In einer würdigen Neubestattung wurden die Gebeine im Außenbereich des Altenberger Domes erneut beigesetzt.

Inzwischen ist der Dom mit einer Heizung ausgestattet, die aus zehn Bodenstationen warme Luft in den Innenraum bläst.

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